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Die Polte Armaturen- und Maschinenfabrik OHG in Magdeburg war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein bedeutender Hersteller von Großarmaturen sowie einer der größten Munitionsproduzenten der Welt. Der Konzern war einer der wichtigsten Arbeitgeber Magdeburgs, Vorreiter bei der Errichtung sanitärer und sozialer Einrichtungen für Angestellte und Arbeiter und international für die ingenieurtechnische Qualität seiner Erzeugnisse geschätzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er vor allem wegen der massenhaften Beschäftigung von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen (ab Juni 1943 bis zum Kriegsende) bekannt. Die während des Krieges nicht zerstörten oder von der sowjetischen Besatzungsmacht als Reparationen abtransportierten Teile der Polte-Werke gingen später im VEB Schwerarmaturenwerk „Erich Weinert“ bzw. dem daraus entstehenden VEB Magdeburger Armaturenwerke „Karl Marx“ auf.

Munitionsproduzent

1889 erhielt die Firma vom preußischen Kriegsministerium einen ersten großen Auftrag für die Herstellung von 40 Millionen Patronenhülsen des Kalibers 7,92 × 57 mm für das damals neue Armeegewehr 98, dem waffentechnischen Nachfolger des veralteten 88'er Waffenverschlusssystems und Vorgänger des späteren Karabiners 98. Die zur Produktion angeschafften Werkzeugmaschinen aus dem Ausland erwiesen sich als untauglich zur Massenproduktion. Erst nach wesentlichen Konstruktionsänderungen konnte der Auftrag trotz kurzfristiger Liefertermine zur Zufriedenheit des Ministeriums ausgeführt werden. In der Folge wurde Polte zu einem der wichtigsten Lieferanten für Munitions- und Geschosshülsen der deutschen Armee. Zulieferer für die wichtigen Messingnäpfchen war die spätere Hirsch Kupfer- und Messingwerk AG in Finow, deren Eigentümer Gustav Hirsch mit Eugen Polte befreundet war.

Um auch die größeren Geschosshülsen automatisiert herstellen zu können, entwickelte Eugen Polte das dazu bislang gebräuchliche Ziehverfahren zu einem Kugelwalzverfahren weiter, bei dem rollende Kugeln die Umgestaltung der Messingröhren in einem Walzvorgang übernahmen. Neben einer Vereinfachung der Herstellung führte das neue Verfahren auch zu einer Festigkeitserhöhung der Hülsen. Polte entwickelte weitere, ergänzende Präzisionsmaschinen und war damit in der Lage, ganze Fertigungslinien zur automatisierten Herstellung von Geschosshülsen zu verkaufen.

1914 war die Zahl der Beschäftigten auf 4000 gestiegen und die Polte-Werke gehörten bereits zu den größten Munitionsproduzenten Europas. Neben den ursprünglichen Fabrikationsanlagen waren neue Gebäude entstanden. Beim Erwerb des Unternehmens umfasste das Fabrikgelände an der damaligen Halberstädter Straße in Magdeburg-Sudenburg 1.278 Quadratmeter (davon 640 Quadratmeter bebaut), 1910 waren es 23.539 Quadratmeter (davon 8.043 bebaut).

Prägestempel, Bodenstempel

Die Kennzeichnung der von den Polte-Werken hergestellten Munition richtete sich nach jeweils aktuellen Vorschriften für Kriegsmaterial. So wurden bis 1934 der Name des Herstellers und das Produktionsjahr unverschlüsselt auf Hülsen- und Kartuschenböden geprägt. Mit dem Beginn der heimlichen Aufrüstung wurden die Produkte zur Verschleierung des Herstellers und des Produktionsjahres mit einem S-Code gekennzeichnet. Die Beibehaltung einer Kennzeichnung war aus Gründen der Qualitätssicherung (und später der Sabotage-Identifizierung) notwendig, allerdings sollte Feinden die Bestimmung der Produktionseinheiten erschwert werden. Ab 1936 wurde der Code so geändert, dass das Herstellungsjahr wieder unverschlüsselt geprägt wurde. Seit 1938 wurde der S-Code durch einen Nummerncode ersetzt. 1940 wurde auch diese Codierung des Herstellers in einen bis dreistelligen Buchstabencode geändert, der bis zum Ende des Krieges verwendet wurde.

Herstellercodes im Nummernsystem (1938–1940)

   P = Polte OHG, Werk Magdeburg
   P154 = Polte OHG, Werk Grüneberg (Nordbahn)
   P186 = Metallwerk Wolfenbüttel GmbH
   P207 = Metallwerk Odertal GmbH
   P345 = Silva Metallwerke GmbH, Werk Genthin
   P414 = Silva Metallwerke GmbH, Werk Magdeburg-Neustadt

Herstellercodes im Buchstabensystem (ab dem Jahre 1940)

   anz = Maschinen- und Armaturenfabrik AG, Magdeburg-Buckau
   aux = Polte-Werk, Magdeburg
   auy = Polte OHG, Werk Grüneberg (Nordbahn)
   auz = OHG Polte, Werk Arnstadt
   avt = Silva-Metallwerke GmbH, Werk Magdeburg-Neustadt
   avu = Silva-Metallwerke GmbH, Werk Genthin
   bne = Metallwerk Odertal GmbH
   bnf = Metallwerk Wolfenbüttel GmbH
   fuu = Maschinen- und Armaturenfabrik AG, Magdeburg-Buckau (Alternativ-Verwendung)
   htg = OHG Polte, Werk Duderstadt
   thg = OHG Polte, Werk Duderstadt (Alternativ-Verwendung)

Es kam bei der Kooperationen von Herstellern auch zur Verwendung von vierstelligen Kombinationen. So steht die Prägung pcdp vermutlich für eine Patrone, deren Hülse bei den Polte-Werken (Code: p) gefertigt wurde, die aber bei der Waffen- und Munitionsfabrik Theodor Bergmann & Co. in Bernau bei Berlin (Code: cdp) gefüllt wurde.

Quelle