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Die Hugo und Alfred Schneider AG (HASAG) war ein deutsches Unternehmen im Bereich der Metallverarbeitung, das auch als Rüstungskonzern von Bedeutung war.

1863 wurde die Lampenfabrik Haeckel & Schneider in Paunsdorf bei Leipzig gegründet. Sie war als Manufaktur konzipiert und das Unternehmen wuchs bis 1880 zu einem mittelständischen Industriebetrieb heran. Das Hauptgeschäft war die Herstellung von Lampen. Hugo Schneider, der zunächst nur als Teilhaber des Unternehmens auftrat, übernahm es 1871 ganz. 1899 wurde es dann zur Metallwarenfabrik Hugo Schneider Aktiengesellschaft umgewandelt. Da man das wachsende Werk in Paunsdorf nicht vergrößern konnte, erwarb das Unternehmen Anfang des 20. Jh. ein großes Areal am Rande von Leipzig – ein Dreieck zwischen der Torgauer und der Permoserstraße –, wo ein modernes Werk gebaut wurde und wohin das Unternehmen mit der Zeit umzog. Als Hersteller von Beleuchtungs-, Heiz- und Kochartikeln begann die HASAG schon im Ersten Weltkrieg mit der Produktion von Munitionshülsen und anderen Rüstungsgütern, die in den Kriegsjahren den Umsatz bestimmten. Nach dem Krieg versuchte man zunächst das Unternehmen mit Artikeln, welche schon vor dem Ersten Weltkrieg produziert wurden, aufrechtzuerhalten. Nach der Machtergreifung 1933 konnte die HASAG mit der Aufrüstung von Reichswehr bzw. Wehrmacht wieder mit Rüstungsaufträgen rechnen. Diese waren für das Unternehmen lukrativ, weil kein Vertrieb an Einzelhändler organisiert werden musste, sondern das Deutsche Reich als Großabnehmer auftrat. Die HASAG spezialisierte sich daher auf die Produktion von Rüstungsgütern und wurde in dieser Sparte zu einem der größten Konzerne Deutschlands. 1930 hatte die HASAG 1.000 Beschäftigte bei einem Jahresumsatz von 5 Millionen Reichsmark (RM).

1932 wurde der SS-Sturmführer Paul Budin Generaldirektor sowie SA-Sturmführer Georg Mumme stellvertretender Generaldirektor. Späterer Sozialdirektor und Wehrwirtschaftsführer wurde Wilhelm Renner. NS-Funktionäre waren in der Unternehmensführung organisiert, weitere Direktoren in der SS, der Gestapo oder der SA. Beschäftigte in leitenden Positionen waren fast ausschließlich Mitglieder der NSDAP sowie SS oder SA.

Das Unternehmen lieferte ab 1933 Munition an die Reichswehr (ab 1935: Wehrmacht) und wurde 1934 offiziell als Rüstungsbetrieb eingestuft. 1939 betrug der Jahresumsatz 22 Millionen RM. Das Stammwerk in Leipzig wurde von 1935 bis 1939 weiter ausgebaut. Wilhelm Renner (Vater von Hannelore Kohl) arbeitete als Betriebsdirektor und Prokurist in der HASAG von 1939 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Der ebenfalls mit Prokura ausgestattete Oberingenieur Edmund Heckler baute die Zweigwerke in Leipzig, Berlin, Taucha und Altenburg auf und leitete die drei letztgenannten.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde es schwer, Arbeitskräfte zu beschaffen. Trotz Dienstverpflichtung der Frauen wurden auch ausländische Arbeitskräfte angeworben und bald durch Zwangsarbeiter ersetzt. Der Konzern bevorzugte den Einsatz und die Ausbeutung von Zwangsarbeitern aus mehreren Konzentrationslagern für die Produktion in etlichen Betrieben und unterhielt eigene Zwangsarbeiterlager, die von der SS verwaltet wurden. Bereits 1939 übernahm HASAG im besetzten Polen drei Rüstungswerke, dank denen die Rüstungsproduktion weiter gesteigert werden konnte. Auch dort wurden Zwangsarbeiter im großen Ausmaß und ohne die notwendigen Schutzmaßnahmen eingesetzt.

1944 erhielt die HASAG durch den Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion Albert Speer die Sondervollmacht „Hochlauf Panzerfaust“. Damit war der Konzern alleiniger Hersteller dieser Waffe in Deutschland und konnte seine Werke weiter ausbauen. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Werk durch Luftangriffe beschädigt. Am 13. April 1945 wurden Tausende Häftlinge aus den HASAG-Außenlagern der Konzentrationslagern auf die Todesmärsche getrieben.

Nach Ende des Krieges begann man im Stammwerk Leipzig, Kochtöpfe, Milchkannen, Lampen usw. zu produzieren. Bis 1947 wurden alle Maschinen und Anlagen demontiert und durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) als Reparationsleistungen beschlagnahmt. Die meisten Gebäude wurden danach gesprengt. Nur das Verwaltungsgebäude ist erhalten. Auf dem ehemaligen HASAG-Gelände entstand später ein Zentrum für Umweltforschung.

Nach 1949 nutzten verschiedene Volkseigene Betriebe der DDR Patente der HASAG. So stellte zum Beispiel der VEB Metallwaren Leipzig (MEWA) eine Starklichtlampe nach einem HASAG-Muster her. Der VEB Leuchtenbau Leipzig hatte die Rechte der Wortmarke HASAG und verlängerte diese 1963. Erst 1974 wurde die Marke gelöscht.

Betriebe der HASAG 1944/1945

   Leipzig, Hauptwerk
   Leipzig, Nordwerk
   Taucha
   Colditz (ab 1944)
   Delitzsch (ab 1944)
   Flößberg (ab 1944)
   Grimma (ab 1944)
   Borsdorf (ab 1944)
   Altenburg
   Meuselwitz
   Langewiesen, später Dermbach
   Oberweißbach / Eisenach
   Berlin-Köpenick
   Schlieben / Berga, Außenlager Schlieben, zwischen 2.000 und 5.000 weibliche Häftlinge aus dem KZ Ravensbrück und aus dem KZ Buchenwald [10]
   die polnischen Werke in Skarżysko-Kamienna, Kielce und Tschenstochau (Ghetto Częstochowa)
   Beteiligungen / Kooperationen in Mailand und Rom

Quelle